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ISO 26000 – Gesellschaftliche Verantwortung (CSR)

10. Juli 2026

Der internationale Leitfaden für gesellschaftliche Verantwortung: Grundsätze, Kernthemen und praktische Umsetzung.

Gesellschaftliche Verantwortung ist längst mehr als ein Imagethema: Kundinnen, Geschäftspartner, Beschäftigte und die Öffentlichkeit erwarten heute nachvollziehbares, ethisches Handeln. Die ISO 26000 bietet dafür den international anerkannten Orientierungsrahmen. Sie beschreibt, wie Organisationen jeder Größe und Branche Verantwortung für die Wirkung ihrer Entscheidungen auf Gesellschaft und Umwelt übernehmen können.

Was ist die ISO 26000?

Die ISO 26000 ist der weltweit maßgebliche Leitfaden zur gesellschaftlichen Verantwortung (englisch: Social Responsibility, im Unternehmenskontext häufig als Corporate Social Responsibility, CSR, bezeichnet). In Deutschland liegt sie als DIN EN ISO 26000 vor; die deutsche Fassung EN ISO 26000:2020 übernimmt inhaltlich die internationale Norm von 2010. Sie richtet sich ausdrücklich nicht nur an Unternehmen, sondern an alle Arten von Organisationen – unabhängig von Größe, Rechtsform und Standort.

Die Norm definiert gesellschaftliche Verantwortung als die Verantwortung einer Organisation für die Auswirkungen ihrer Entscheidungen und Aktivitäten auf Gesellschaft und Umwelt. Sie soll durch transparentes und ethisches Verhalten wahrgenommen werden, das zur nachhaltigen Entwicklung beiträgt, die Erwartungen der Anspruchsgruppen berücksichtigt und geltendes Recht sowie internationale Verhaltensstandards achtet.

Ein Leitfaden – keine zertifizierbare Norm

Ein zentraler und oft missverstandener Punkt: Die ISO 26000 ist nicht zertifizierbar. Anders als etwa die ISO 9001 (Qualitätsmanagement) oder ISO 14001 (Umweltmanagement) enthält sie keine verbindlichen Anforderungen, gegen die ein Audit mit Zertifikatsvergabe geprüft werden könnte. Sie ist bewusst als Empfehlung und Orientierung angelegt.

Wer mit einer Zertifizierung nach ISO 26000 wirbt, nutzt die Norm also nicht bestimmungsgemäß. Möglich und sinnvoll sind hingegen andere Nachweisformen: die Umsetzung lässt sich intern bewerten, über Ratings und Reifegrad-Betrachtungen einordnen oder mit zertifizierbaren Managementsystemen kombinieren.

Die sieben Grundsätze

In Kapitel 4 benennt die ISO 26000 sieben Grundsätze, die verantwortliches Handeln tragen:

  • Rechenschaftspflicht – für die Auswirkungen des eigenen Handelns einstehen
  • Transparenz – Entscheidungen und Aktivitäten offenlegen
  • Ethisches Verhalten – Handeln auf Basis von Werten wie Ehrlichkeit und Integrität
  • Achtung der Interessen der Anspruchsgruppen (Stakeholder)
  • Achtung der Rechtsstaatlichkeit
  • Achtung internationaler Verhaltensstandards
  • Achtung der Menschenrechte

Die sieben Kernthemen

Kapitel 6 beschreibt sieben Kernthemen mit insgesamt 37 Handlungsfeldern, in denen Organisationen aktiv werden sollten:

  • Organisationsführung – Grundlage, um die übrigen Kernthemen wirksam zu verankern
  • Menschenrechte – Sorgfaltspflicht, Diskriminierungsschutz, bürgerliche und wirtschaftliche Rechte
  • Arbeitspraktiken – Beschäftigung, Arbeitsbedingungen, Arbeitsschutz, Qualifizierung
  • Umwelt – Ressourcenschonung, Klimaschutz, Vermeidung von Umweltbelastungen
  • Faire Betriebs- und Geschäftspraktiken – Korruptionsprävention, fairer Wettbewerb, verantwortungsvolle Lieferkette
  • Konsumentenanliegen – faire Vertragspraktiken, Produktsicherheit, Datenschutz, Verbraucherbildung
  • Einbindung und Entwicklung der Gemeinschaft – lokales Engagement, Bildung, Beschäftigung, gesellschaftliche Investitionen

Einordnung nach Wesentlichkeit

Die Norm empfiehlt, die Kernthemen und Handlungsfelder nicht schematisch abzuarbeiten, sondern anhand der eigenen Relevanz und Wirkung zu priorisieren. Entscheidend sind die Einbindung der Anspruchsgruppen und ein ehrliches Verständnis der eigenen Wirkungskette.

ISO 26000 und CSRD – wie passt das zusammen?

Mit der EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (Corporate Sustainability Reporting Directive, CSRD) und den zugehörigen Berichtsstandards gewinnt das Thema an regulatorischer Schärfe. Die beiden Instrumente ergänzen einander: Die CSRD legt verbindliche Berichtspflichten für den Anwendungsbereich fest, während die ISO 26000 als inhaltlicher Leitfaden hilft, verantwortliches Handeln überhaupt strukturiert aufzubauen. Wer Verantwortung an den Kernthemen der ISO 26000 ausrichtet, schafft eine gute Grundlage, um berichtspflichtige Inhalte fundiert zu belegen.

Wie der VQB unterstützt

Der VQB hilft Ihnen, die ISO 26000 vom abstrakten Leitfaden in gelebte Praxis zu überführen. Wir ermitteln gemeinsam mit Ihnen die wesentlichen Kernthemen und Handlungsfelder, binden Ihre Anspruchsgruppen ein und bewerten den Reifegrad Ihrer gesellschaftlichen Verantwortung. Auf Wunsch verzahnen wir die Ergebnisse mit zertifizierbaren Managementsystemen wie ISO 9001 oder ISO 14001 und bereiten Sie so auch auf Anforderungen der Nachhaltigkeitsberichterstattung vor.

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