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EN 9100 – Qualitätsmanagement in der Luft- und Raumfahrt

10. Juli 2026

Der branchenspezifische QM-Standard für Luftfahrt, Raumfahrt und Verteidigung – Aufbau, Anforderungen und Zertifizierung

Die Luft- und Raumfahrt zählt zu den anspruchsvollsten Branchen überhaupt: Bauteile müssen unter extremen Bedingungen zuverlässig funktionieren, Fehler können sicherheitskritische Folgen haben, und Lieferketten sind global verflochten. Die Normenreihe EN 9100 definiert hierfür die Anforderungen an ein Qualitätsmanagementsystem und ist für Zulieferer heute faktisch die Eintrittskarte in den Markt.

Was ist die EN 9100?

Die EN 9100 ist der branchenspezifische Qualitätsmanagement-Standard für Luftfahrt, Raumfahrt und Verteidigung (Aviation, Space and Defence). Aktuell gültig ist die Fassung DIN EN 9100:2018-08. Sie baut vollständig auf der ISO 9001:2015 auf und übernimmt deren Struktur (High Level Structure), ergänzt diese jedoch um zahlreiche branchenspezifische Zusatzanforderungen für sicherheitskritische Produkte und Prozesse.

Herausgegeben wird die Normenreihe von der International Aerospace Quality Group (IAQG), einem weltweiten Zusammenschluss der Branche. Die EN 9100 ist damit technisch gleichwertig zur international verbreiteten AS9100 (in der aktuellen Ausgabe Rev. D, herausgegeben von SAE International) sowie zur japanischen JISQ 9100. Diese Harmonisierung sorgt dafür, dass ein in Europa zertifiziertes Unternehmen weltweit anerkannt wird.

Die 9100-Normenreihe im Überblick

Je nach Tätigkeit im Wertschöpfungsprozess gelten unterschiedliche Normen der Reihe:

  • EN 9100 – für Entwicklung, Konstruktion und Fertigung (Hersteller und Konstruktionsbüros)
  • EN 9110 – für Instandhaltungsbetriebe (Maintenance, Repair and Overhaul, MRO)
  • EN 9120 – für Händler, Lagerhalter und Distributoren

Ergänzend regelt die EN 9104 die Anforderungen an die Zertifizierungs- und Akkreditierungsstruktur selbst – also die Rahmenbedingungen, unter denen Zertifizierungsstellen auditieren dürfen.

Branchenspezifische Zusatzanforderungen

Der wesentliche Unterschied zur reinen ISO 9001 liegt in den zusätzlichen, sicherheitsorientierten Anforderungen. Zu den zentralen Themen der EN 9100 gehören:

  • Konfigurationsmanagement – lückenlose Beherrschung von Produktständen und Änderungen
  • Rückverfolgbarkeit (Traceability) von Bauteilen, Chargen und Prozessen über die gesamte Lieferkette
  • FOD-Prävention (Foreign Object Damage/Debris) – Vermeidung und Aufspüren von Fremdkörpern in Produkten und Prozessen
  • Produktsicherheit als eigenständiger, geforderter Prozess
  • Verhinderung von Fälschungsteilen (Counterfeit Parts Prevention)
  • Risikomanagement mit besonderem Fokus auf operative Produktrisiken
  • Termintreue und Leistungsüberwachung (On-Time-Delivery, Quality Performance) gegenüber Kunden
  • Strenge Anforderungen an das Lieferantenmanagement, insbesondere die Steuerung von Sonderprozessen (z. B. Wärmebehandlung, Oberflächentechnik – häufig mit ergänzender NADCAP-Anerkennung)

Die OASIS-Datenbank

Eine Besonderheit der Branche ist die zentrale IAQG-Datenbank OASIS (Online Aerospace Supplier Information System). Alle nach der 9100-Reihe zertifizierten Organisationen sowie die akkreditierten Zertifizierungsstellen sind dort gelistet. Für viele Auftraggeber ist ein gültiger OASIS-Eintrag inzwischen Voraussetzung, um überhaupt als Lieferant akzeptiert zu werden. Mit der überarbeiteten EN 9104 und der aktuellen OASIS-Version haben sich die Zertifizierungsstrukturen vereinfacht: Statt bisher vier gibt es nur noch zwei Kategorien – Single Site (ein Standort) und Multiple Site (mehrere Standorte).

Der Weg zur Zertifizierung

Die Zertifizierung erfolgt durch eine akkreditierte, in OASIS gelistete Zertifizierungsstelle. Der typische Ablauf umfasst:

  • Aufbau bzw. Anpassung des Qualitätsmanagementsystems an die Normanforderungen
  • Interne Audits und Managementbewertung zum Nachweis der Wirksamkeit
  • Zertifizierungsaudit in zwei Stufen (Stufe 1: Systemprüfung/Dokumentation, Stufe 2: Wirksamkeit vor Ort)
  • Ausstellung des Zertifikats mit dreijähriger Gültigkeit
  • Jährliche Überwachungsaudits sowie Rezertifizierung nach drei Jahren

Die Auditzeiten werden nach den Vorgaben der EN 9104 berechnet und fallen aufgrund der Zusatzanforderungen in der Regel höher aus als bei einer reinen ISO-9001-Zertifizierung. Unternehmen, die bereits nach ISO 9001 zertifiziert sind, können auf dieser Basis gezielt die branchenspezifischen Lücken schließen.

Wie der VQB unterstützt

Der VQB begleitet KMU praxisnah auf dem Weg zur EN 9100 – von der Gap-Analyse gegenüber ISO 9001 über den Aufbau der branchenspezifischen Prozesse (Konfigurationsmanagement, FOD, Traceability, Produktsicherheit) bis zur Vorbereitung interner Audits. Wir unterstützen bei der Auswahl einer akkreditierten Zertifizierungsstelle und beim korrekten OASIS-Eintrag. So erreichen Sie ein wirksames, auditfestes QM-System, das die Anforderungen Ihrer Kunden in der Luft- und Raumfahrt zuverlässig erfüllt.

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