SIPOC und Turtle-Diagramm in der Prozessanalyse
Zwei bewährte Werkzeuge, um Prozesse übersichtlich abzugrenzen und für Audits und Verbesserung fit zu machen.
Wer Prozesse verbessern will, muss sie zuerst verstehen und klar abgrenzen. Zwei Werkzeuge haben sich dafür in der Praxis bewährt: das SIPOC-Diagramm und das Turtle-Diagramm. Beide schaffen auf einer einzigen Seite einen strukturierten Überblick über einen Prozess – sie setzen dabei jedoch unterschiedliche Schwerpunkte und ergänzen sich hervorragend.
SIPOC: Der Prozess auf einen Blick
SIPOC ist ein Akronym und steht für die fünf Betrachtungsebenen eines Prozesses: Supplier (Lieferant), Input (Eingaben), Process (Prozess), Output (Ergebnisse) und Customer (Kunde). Das Werkzeug stammt aus dem Six-Sigma-Umfeld und wird dort typischerweise in der Define-Phase des DMAIC-Zyklus eingesetzt, um den Untersuchungsbereich zu Beginn eines Projekts sauber einzugrenzen.
Die Darstellung erfolgt als Tabelle mit fünf Spalten. In der Mitte wird der Prozess in vier bis maximal etwa sieben groben Schritten beschrieben – bewusst auf hoher Flughöhe, ohne jedes Detail. Von dieser Prozesskette ausgehend werden die weiteren Spalten befüllt:
- Supplier – Wer liefert die benötigten Eingaben? Das können interne Abteilungen, externe Lieferanten oder auch der Kunde selbst sein.
- Input – Welche Materialien, Informationen, Daten oder Ressourcen fließen in den Prozess ein?
- Process – Die zentralen Prozessschritte in logischer Reihenfolge.
- Output – Welche Produkte, Dienstleistungen oder Ergebnisse entstehen?
- Customer – Wer empfängt und nutzt die Ergebnisse und stellt Anforderungen an sie?
Der große Vorteil von SIPOC liegt in der klaren Sicht auf die Lieferanten-Kunden-Beziehung entlang des Prozesses. Es macht Schnittstellen sichtbar, schafft ein gemeinsames Verständnis im Team und verhindert, dass ein Verbesserungsprojekt zu weit oder zu eng zugeschnitten wird. Als Erweiterung ist die Variante SIPOC-R gebräuchlich, die zusätzlich die Anforderungen (Requirements) an Eingaben und Ergebnisse erfasst.
Turtle-Diagramm: Die Tiefenanalyse eines Prozesses
Das Turtle-Diagramm – benannt nach seiner an eine Schildkröte erinnernden Form – betrachtet einen einzelnen Prozess wesentlich detaillierter. Im Zentrum („Körper“ der Schildkröte) steht die Prozessbeschreibung mit Input auf der linken und Output auf der rechten Seite. Um dieses Zentrum gruppieren sich vier „Beine“, die jeweils eine Leitfrage beantworten:
- Womit? – Ressourcen, Maschinen, Material, Infrastruktur und IT-Systeme.
- Wer? – Verantwortliche, Prozesseigner, beteiligte Rollen sowie erforderliche Kompetenzen.
- Wie? – Methoden, Verfahrensanweisungen, Checklisten und Prüfpläne.
- Womit gemessen / welche Kennzahlen? – Messgrößen und Indikatoren zur Bewertung der Prozessleistung und Wirksamkeit.
Das Turtle-Diagramm ist damit besonders eng mit dem prozessorientierten Ansatz der ISO 9001 verknüpft. Die Norm fordert das Diagramm zwar nicht ausdrücklich, verlangt aber, dass Organisationen für ihre Prozesse Eingaben und Ergebnisse, Ressourcen, Verantwortlichkeiten, Wechselwirkungen und Leistungskennzahlen bestimmen – genau die Felder, die das Turtle strukturiert abbildet. In der aktuellen Fassung ISO 9001:2015 (die 2024 überprüft und bestätigt wurde) ist der prozessorientierte Ansatz ein zentrales Grundprinzip.
Nutzen in Audits
Auditorinnen und Auditoren schätzen das Turtle-Diagramm, weil es das prozessorientierte Auditieren erleichtert. Entlang der Beine lassen sich gezielte Fragen stellen: Sind die richtigen Ressourcen vorhanden? Sind Verantwortlichkeiten geregelt? Werden die festgelegten Methoden angewendet? Zeigen die Kennzahlen, dass der Prozess wirksam ist? So dient das Diagramm sowohl der Vorbereitung interner Audits als auch der Nachweisführung im Zertifizierungsaudit.
SIPOC oder Turtle – wann welches Werkzeug?
Die beiden Methoden konkurrieren nicht, sondern greifen ineinander:
- SIPOC eignet sich für den Einstieg und die Abgrenzung: Es verschafft schnell Überblick, ordnet einen Prozess in die Wertschöpfungskette ein und ist ideal, um zu Projektbeginn Umfang und Beteiligte zu klären.
- Das Turtle-Diagramm geht in die Tiefe: Es beleuchtet einen abgegrenzten Prozess umfassend und liefert die Grundlage für Prozessbeschreibung, Risikobetrachtung und Audit.
In der Praxis bietet sich häufig eine Kombination an: Zunächst grenzt ein SIPOC die relevanten Prozesse und ihre Schnittstellen ab, anschließend werden die kritischen Prozesse per Turtle-Diagramm im Detail analysiert. So entsteht ein durchgängiges Bild – von der übergeordneten Landkarte bis zur einzelnen Prozessbeschreibung.
Wie der VQB unterstützt
Der VQB begleitet kleine und mittlere Unternehmen dabei, ihre Prozesse systematisch zu erfassen und zu verbessern. Wir moderieren SIPOC- und Turtle-Workshops mit Ihren Prozessbeteiligten, erstellen prüffähige Prozessbeschreibungen und bereiten Sie gezielt auf interne wie externe Audits nach ISO 9001 vor. Sprechen Sie uns an – wir übersetzen die Werkzeuge in einen für Ihr Unternehmen passenden, schlanken Prozessansatz.
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Call for Tenders for Kitchen Construction Works at the Oakville Community Center | PDF | 1 MB | Download |
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