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Prüflabore und Zertifizierungsstellen – den richtigen Partner finden

07. Juli 2026

Worauf es bei der Auswahl von akkreditierten Laboren und Zertifizierungsstellen wirklich ankommt.

Ob Konformitätsnachweis für ein Produkt, eine akkreditierte Laborprüfung oder das Zertifikat für Ihr Qualitätsmanagementsystem: Die Wahl des passenden Partners entscheidet über Aussagekraft, Anerkennung und Kosten. Der Markt ist unübersichtlich, die Bezeichnungen ähneln sich – und nicht jedes "Zertifikat" ist gleich viel wert. Dieser Beitrag zeigt, wie Sie Prüflabore und Zertifizierungsstellen unterscheiden und worauf Sie bei der Auswahl achten sollten.

Akkreditierung, Zertifizierung, Prüfung – die Begriffe klar getrennt

Drei Ebenen werden im Alltag häufig verwechselt. Wer sie auseinanderhält, findet schneller den richtigen Partner:

  • Prüfung/Kalibrierung: Ein Labor untersucht ein Produkt, eine Probe oder ein Messmittel und liefert Messwerte oder ein Prüfergebnis.
  • Zertifizierung: Eine Zertifizierungsstelle bestätigt die Konformität – etwa dass Ihr Managementsystem die Anforderungen der ISO 9001 erfüllt.
  • Akkreditierung: Eine übergeordnete Stelle bestätigt die Kompetenz des Labors oder der Zertifizierungsstelle. Akkreditierung ist also die Bestätigung, dass jemand fachlich befugt ist, zu prüfen oder zu zertifizieren.

Kurz gefasst: Akkreditierung ist eine Kompetenzbestätigung, Zertifizierung eine Konformitätsbestätigung. In Deutschland ist die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS) die allein zuständige nationale Akkreditierungsstelle.

Welche Norm gilt für welchen Partner?

Je nach Tätigkeit gelten unterschiedliche Akkreditierungsnormen. Die Kenntnis dieser Zuordnung hilft Ihnen, gezielt den richtigen Anbieter zu suchen:

  • DIN EN ISO/IEC 17025 – Prüf- und Kalibrierlaboratorien (chemische, elektrische, mechanische Prüfungen usw.).
  • DIN EN ISO/IEC 17021-1 – Zertifizierungsstellen für Managementsysteme (z. B. ISO 9001, ISO 14001, ISO 45001).
  • DIN EN ISO/IEC 17065 – Stellen, die Produkte, Prozesse und Dienstleistungen zertifizieren.
  • DIN EN ISO/IEC 17020 – Inspektions- bzw. Überwachungsstellen.
  • DIN EN ISO/IEC 17024 – Stellen, die Personen zertifizieren (z. B. Qualifikationen).

Für Ihr QM-System ist also eine nach 17021-1 akkreditierte Zertifizierungsstelle relevant, für eine Materialprüfung ein nach 17025 akkreditiertes Labor.

Akkreditiert oder nicht – warum das zählt

Zertifikate lassen sich auch ohne Akkreditierung ausstellen. Solche Dokumente sind formal möglich, aber deutlich weniger belastbar: Kunden, Auftraggeber und öffentliche Auftraggeber verlangen in der Regel ein akkreditiertes Zertifikat. Nur dieses genießt nationale und – über internationale Anerkennungsabkommen (IAF MLA, ILAC MRA) – auch weltweite Anerkennung. Prüfen Sie deshalb frühzeitig, ob Ihre Auftraggeber, Ausschreibungen oder Lieferkettenanforderungen explizit ein akkreditiertes Verfahren fordern. Andernfalls riskieren Sie ein Zertifikat, das im Ernstfall nicht anerkannt wird.

So prüfen Sie einen Anbieter: der Geltungsbereich

Eine Akkreditierung gilt nie pauschal, sondern immer für einen definierten Geltungsbereich (Scope) – bestimmte Normen, Verfahren, Produktgruppen oder Branchen. Eine Stelle kann für ISO 9001 akkreditiert sein, aber nicht für Ihre spezifische Branche oder für ISO 14001. Zwei Schritte lohnen sich:

  • Urkunde und Anlage einsehen: Der Geltungsbereich steht in der Akkreditierungsurkunde bzw. deren Anlage. Lassen Sie sich diese zeigen.
  • DAkkS-Datenbank nutzen: Über die öffentliche Filtersuche der DAkkS lässt sich jede akkreditierte Stelle mit Registriernummer, Adresse und Geltungsbereich verifizieren. Die Freitextsuche durchsucht auch die hinterlegten Urkundenanlagen.

Praxis-Kriterien für die Auswahl

Neben der formalen Akkreditierung entscheiden weiche und wirtschaftliche Faktoren über eine gute Zusammenarbeit:

  • Branchen- und Fachkompetenz: Kennt die Stelle Ihre Branche, Prozesse und typischen Risiken? Das verkürzt Audits und erhöht den Nutzen.
  • Auditoren und Kontinuität: Erfahrung, feste Ansprechpartner und Sprachkompetenz zahlen sich über den mehrjährigen Zertifizierungszyklus aus.
  • Transparente Kosten: Lassen Sie sich den gesamten Zyklus kalkulieren – Erst-Audit, jährliche Überwachungs-Audits und Rezertifizierung nach drei Jahren, inklusive Reisekosten.
  • Kapazität und Fristen: Passen Verfügbarkeit und Terminplanung zu Ihren eigenen Deadlines (z. B. Kunden- oder Ausschreibungstermine)?
  • Unabhängigkeit: Beratung und Zertifizierung müssen getrennt sein – wer Sie berät, darf Sie nicht zertifizieren. Achten Sie auf diese saubere Trennung.
  • Mehrere Angebote: Holen Sie zwei bis drei vergleichbare Angebote ein und vergleichen Sie Leistung, nicht nur den Preis.

Typische Fehler vermeiden

  • Ein günstiges, aber nicht akkreditiertes Zertifikat wählen, das später nicht anerkannt wird.
  • Den Geltungsbereich nicht prüfen und feststellen, dass die eigene Branche gar nicht abgedeckt ist.
  • Berater und Zertifizierer aus einer Hand nehmen und damit die Unabhängigkeit gefährden.
  • Nur das Erst-Audit vergleichen und die Folgekosten des Zyklus übersehen.

Wie der VQB unterstützt

Der VQB ist als gemeinnütziger Partner unabhängig – wir beraten Sie neutral bei der Auswahl geeigneter Prüflabore und akkreditierter Zertifizierungsstellen, ohne selbst zu zertifizieren. Wir helfen Ihnen, den passenden Geltungsbereich zu bestimmen, Angebote vergleichbar zu machen und Ihre Organisation auf das Audit vorzubereiten. So finden Sie einen Partner, dessen Nachweis fachlich trägt und am Markt anerkannt ist.

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