DMADV und Design for Six Sigma

Wie Sie mit dem DMADV-Ansatz neue Produkte und Prozesse von Beginn an fehlerarm gestalten.
Klassische Verbesserungsmethoden setzen an, wenn ein Prozess bereits läuft. Doch was, wenn ein Produkt, eine Dienstleistung oder ein Prozess noch gar nicht existiert oder so grundlegend überarbeitet werden muss, dass eine reine Optimierung nicht ausreicht? Genau hier setzt Design for Six Sigma (DFSS) mit seiner bekanntesten Vorgehensweise DMADV an: Qualität wird nicht nachträglich verbessert, sondern von Anfang an in das Design hineinkonstruiert.
Was ist Design for Six Sigma?
Design for Six Sigma ist ein methodischer Rahmen, um Produkte, Dienstleistungen und Prozesse so zu entwickeln, dass sie die Kundenanforderungen von Beginn an robust und fehlerarm erfüllen. Anders als die klassische Six-Sigma-Verbesserung mit dem DMAIC-Zyklus (Define, Measure, Analyze, Improve, Control), der bestehende Prozesse optimiert, richtet sich DFSS auf Neuentwicklungen und grundlegende Neugestaltungen. Der Leitgedanke: Ein Großteil der späteren Qualität und der späteren Kosten wird bereits in der Entwurfsphase festgelegt. Wer dort systematisch und datenbasiert vorgeht, vermeidet teure Nacharbeit, Reklamationen und Änderungsschleifen.
DFSS kennt mehrere Roadmaps – neben DMADV etwa IDOV oder DMADOV. Am weitesten verbreitet und am leichtesten aus dem vertrauten DMAIC ableitbar ist jedoch DMADV.
Die fünf Phasen von DMADV
DMADV steht für Define, Measure, Analyze, Design und Verify. Die ersten drei Phasen teilen den Namen mit DMAIC, verfolgen aber ein anderes Ziel – nämlich Neugestaltung statt Fehlerbeseitigung.
Define – Ziele und Rahmen festlegen
Zu Beginn werden Projektziele, Umfang, Zeitplan und Ressourcen definiert und mit der Unternehmensstrategie sowie den Kundenerwartungen abgeglichen. Ein klarer Business Case und eine saubere Projektabgrenzung schaffen die Grundlage.
Measure – Kundenanforderungen messbar machen
Hier werden die Bedürfnisse der Kunden systematisch erhoben und in messbare Spezifikationen übersetzt. Die sogenannten Critical to Quality-Merkmale (CTQ) machen aus der oft vagen "Stimme des Kunden" (Voice of the Customer) konkrete, prüfbare Zielgrößen.
Analyze – Konzepte entwickeln und bewerten
In dieser Phase werden verschiedene Design- und Prozessalternativen erarbeitet und hinsichtlich ihrer Fähigkeit bewertet, die Anforderungen zu erfüllen. Konzeptbewertungen, Risikoanalysen und erste Modelle helfen, die vielversprechendste Lösung auszuwählen.
Design – die Lösung im Detail gestalten
Das gewählte Konzept wird detailliert ausgearbeitet: Produkt- oder Prozessparameter werden festgelegt, Toleranzen bestimmt und das Design gegen Störeinflüsse robust ausgelegt. Ziel ist ein Entwurf, der die CTQ-Merkmale zuverlässig einhält.
Verify – Leistung nachweisen
Abschließend wird belegt, dass das Design die Anforderungen tatsächlich erfüllt – über Prototypen, Pilotläufe und Tests. Bewährt sich die Lösung, folgt die Übergabe an den laufenden Betrieb inklusive Regelmechanismen zur Serienreife.
Zentrale Werkzeuge im DMADV-Vorgehen
DMADV wird durch ein breites Set an bewährten Methoden gestützt. Zu den wichtigsten zählen:
- Quality Function Deployment (QFD) mit dem "House of Quality" – übersetzt Kundenwünsche systematisch in technische Anforderungen.
- Design of Experiments (DOE) – ermittelt statistisch abgesichert die optimalen Einstellungen von Design- und Prozessparametern.
- FMEA (Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse) – identifiziert und bewertet Risiken frühzeitig im Entwurf.
- Toleranzdesign und Robustheitsmethoden (u. a. nach Taguchi) – machen das Design unempfindlich gegenüber Streuungen und Störgrößen.
- Prozessfähigkeitsanalysen – prüfen, ob ein Entwurf die Spezifikationen dauerhaft einhalten kann.
DMADV oder DMAIC – wann welcher Ansatz?
Die Wahl hängt vom Ausgangspunkt ab. Als Faustregel gilt:
- DMAIC, wenn ein bestehender Prozess Probleme zeigt und schrittweise verbessert werden soll.
- DMADV, wenn etwas Neues entwickelt wird oder ein bestehender Prozess so grundlegend überarbeitet werden muss, dass Optimierung allein nicht genügt – etwa weil selbst ein fehlerfrei laufender Prozess die Kundenanforderungen nicht mehr erfüllen würde.
Beide Ansätze ergänzen sich: DFSS sorgt für einen guten Start, DMAIC hält die Qualität im Betrieb aufrecht.
Wie der VQB unterstützt
Der VQB begleitet kleine und mittlere Unternehmen dabei, Design for Six Sigma praxisnah einzuführen – von der Klärung der Kundenanforderungen (CTQ, QFD) über die Auswahl der passenden Roadmap bis zur Anwendung von Werkzeugen wie DOE, FMEA und Toleranzdesign. Wir schulen Ihre Verantwortlichen, moderieren DMADV-Projekte und helfen, Qualität von Anfang an in Ihre Produkte und Prozesse einzubauen. Sprechen Sie uns für ein unverbindliches Gespräch an.
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